My work—similarly to philosophy— addresses these questions: what is the world, what is space, who is the human being, what does time mean? What exists and what I see becomes the object of my investigation. Objects, spaces, images, (other) people—in short, the classic subjects of painting—are my themes. I do not formulate utopias but instead endeavor to fathom what is. My pictures are reflections upon what I have seen.

Since I am most often in a (studio) space, interior space is often the theme. But I am interested in spatial perception as such and accordingly work once during each year in an exterior space. Possessing equal status as motifs are the objects with which I surround myself. Everyday objects or books as the carriers of contents interest me in their form and in their character as things. The same is true with people, whether my own image in the mirror or my guest in the studio. The dialogue gives rise to a living counterpart in the picture.

Painting can do more than simply depict. When I paint (or draw), I transform what has been seen. I reduce, dissolve, condense. I perhaps enhance the impact of color, but I always define the form, render it from my point of view as an observer. The size always remains the same—a small object requires a small pictorial format, an extensive view of space demands a large canvas.

I paint situations in which light plays a role. Light appears in pictures as it actually exists: mutable, evanescent. In the next moment, it seems to have passed. In my pictures, the gesture of applying paint is visible most of the time and thereby supports the concentration on a brief, fleeting moment.

Sections often remain open in the picture. Canvas grounding and applied paint pervade each other. This gives rise to a further level of meaning. The oscillation between surface and depth, between motif and ground coat stands as a symbol for simultaneous states. One can be situated bodily at one place, but mentally at another.

This interpenetration of levels causes intermediate worlds to appear in the pictures. Thus I pass on to the viewer the question as to what the world is. I do not offer explanations in my works; I cause something to become audible. Through my pictures, I open up a space of resonance containing an intuition of what I have seen.

Angela Stauber

 

Meine Arbeit behandelt – ähnlich der Philosophie – die Fragen: was ist die Welt, was ist der Raum, wer der Mensch und was bedeutet Zeit? Das, was ist, das, was ich sehe wird zum Gegenstand meiner Betrachtung. Dinge, Räume, Bilder, (andere) Menschen – kurzum, die klassischen Sujets der Malerei sind meine Themen. Ich entwerfe keine Utopie, sondern versuche zu ergründen, was ist. Meine Bilder sind Reflexionen von Gesehenem.

Da ich mich meistens im (Atelier-)Raum befinde, ist der Innenraum sehr oft Thema. Doch mich interessiert Raumwahrnehmung an sich, und so arbeite ich einmal im Jahr im Aussenraum. Gleichwertig dazu rangieren als Motive die Gegenstände, mit denen ich mich umgebe. Gebrauchsgegenstände oder Bücher als inhaltliche Träger interessieren mich in ihrer Form und in ihrem Dingcharakter. Genauso der Mensch: Mein eigenes Spiegelbild oder mein Gast im Atelier. Durch den Dialog entsteht im Bild ein lebendiges Gegenüber.

Malerei kann mehr als nur abbilden. Wenn ich male (oder zeichne), transformiere ich das Gesehene. Ich reduziere, löse auf, verdichte. Ich steigere vielleicht Farbwirkung, doch ich definiere stets die Form, gebe diese aus meinem Betrachter-Standpunkt heraus wieder. Die Größe bleibt immer gleich – ein kleiner Gegenstand verlangt ein kleines Bildformat. Eine Raumansicht eine große Leinwand.

Ich male Situationen, in denen Licht eine Rolle spielt. Im Bild wirkt das Licht so, wie es tatsächlich oft der Fall ist: vergänglich, veränderlich. Im nächsten Moment scheint es vorüber zu sein. Der Gestus des Farb­auftrags in meinen Bilder ist meist sichtbar und unterstützt so die Konzentration auf einen flüchtigen, kurzen Moment.

Es bleiben oftmals Stellen im Bild offen stehen. Leinwandgrundierung und gemalter Farbauftrag durch­dringen sich. Dadurch entsteht eine weitere Bedeutungsebene: Das Oszillieren zwischen Oberfläche und Tiefe, zwischen Motiv und Malgrund steht sinnbildlich für simultane Zustände. Man kann sich körperlich an einem Ort befinden, geistig aber an einem anderen.

Durch dieses Durchdringen der Ebenen entstehen Zwischenwelten in den Bildern. So gebe ich an den / die BetrachterIn die Frage weiter, was die Welt ist. Ich erkläre in meinen Arbeiten nicht, ich lasse etwas erklingen. Ich öffne mit meinen Bildern einen Resonanzraum, in dem eine Ahnung von dem steckt, was ich gesehen habe.

Angela Stauber