Überort

2022

Nicht über jeden Ort lohnt es sich zu malen.

Not every place is worth to be painted.

Der Locus ist ein kleiner Ort hinter dem Gasteig in München an der Ecke Keller- und Preysingstraße. Er besteht aus nicht viel mehr als einem ungenutzten historischen Pissoir, einem Grünstreifen und einigen Wegen. Im Jahr 2021 hat eine Gruppe junger Künstler*innen dieses übersehene, stille Plätzchen in einen nachbarschaftlichen Kulturort verwandelt. Ein durchmischtes Programm bot die Gelegenheit stehen zu bleiben, sich zu begegnen und zu verweilen. Und genau darüber – über diesen Ort und seine Nutzer*innen – lohnt es sich für Angela Stauber zu malen.

Ihr übergrosses Bild schwebt zwischen den Kastanienbäumen über dem Grünstreifen. Es zeigt eine abstrahierte Malerei der Eröffnung des Locus im Sommer 2021. In den farbigen Flächen sind hier und da menschliche Figuren auszumachen, fügen sich organische wie auch architektonische Formen zu einer Komposition zusammen. Doch Staubers über viele Jahre entwickelte Malweise, in der Farben übersteigert werden und Farbflecken sich vom Repräsentierten lösen und eine Eigenständigkeit erhalten, enthebt das Bild vom konkreten Ort. Die „Überort“ betitelte Arbeit bietet nur noch einen Anklang der einstigen Situation. Farbflächen laden zu einem Vexierspiel ein, wollen in ihrer Form entschlüsselt werden. Wollen wiederum zum Darüber-Sprechen, Rätseln, Involviert-Sein anregen.

Auch wenn die Befestigung des Bildes an Fahnen erinnern mag, steht es im Widerspruch zu deren Logik. Anstatt emblematisch für etwas einzustehen, Einheit oder Stabilität zu behaupten ist „ÜberOrt“ ein Plädoyer für die Uneindeutigkeit von Gemeinschaft. Es möchte keine Szene illustrieren, sondern ein Gefühl vom Nebeneinander, gar Miteinander unterschiedlicher Elemente an einem Ort vermitteln. Überdies gleicht es einem visuellen Echo, das anklingen lässt, was hier vor fast einem Jahr begann.

Überort Opening

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