Einmal im Jahr verwandelt sich die Kanzlei für Baurecht Glock Liphard Probst und Partner in einen Ausstellungsraum. Eingeladen wurden bisher Künstler*innen wie Hamish Fulton oder Brigitte Kowanz. Kuratiert von Benita Meißner vom DG Kunstraum München entstand in diesem Jahr zur Ausstellung „so gesehen“ von Angela Stauber eine raumgreifende Fensterinstallation zum Marienplatz hin – „Warm Blau Raum“.
Über vier Stockwerke und zwanzig Fenster hinweg entfaltet sich ein Spiel aus farbigen Folien und sich überlagernden Rastern. Ein helles, scheinbar vorgelagertes Gefüge trifft auf ein lebhaftes Netz aus roten, blauen, gelben und grünen Streifen, das sich unregelmäßig bricht und die Raumordnung bewusst stört.
Von außen wirkt das Gebäude, besonders in der Dämmerung, wie geöffnet: Die Linien lassen zwei zusätzliche Fensterfronten und einen größeren, imaginären Innenraum hinter der Fassade der 50er Jahre entstehen – eine optische Täuschung, die Architektur und Farbe miteinander verschränkt.
Von innen hingegen zeigt sich ein völlig anderes Erlebnis. Jedes Fenster enthält seine eigene Farbkomposition, rahmt neue Blicke auf den Marienplatz und das Rathaus und fordert dazu auf, Abstand und Perspektive zu wechseln. Die farbigen, transluzenten Streifen verstärken das Gefühl, sich im Raum zu befinden – nicht nur davor. Eine Installation, die zwischen Innen und Außen, Realität und Illusion oszilliert.
Once a year, the construction law firm Glock Liphard Probst und Partner transforms into an exhibition space. Past guests have included artists such as Hamish Fulton and Brigitte Kowanz. Curated by Benita Meißner of DG Kunstraum Munich, this year’s exhibition—titled *so gesehen* (As Seen) by Angela Stauber—features an expansive window installation facing Marienplatz: *Warm Blau Raum* (Warm Blue Space).
Spanning four floors and twenty windows, the work unfolds as an interplay of colored films and overlapping grids. A bright, seemingly superimposed structure meets a vibrant web of red, blue, yellow, and green stripes—a pattern that fractures irregularly and deliberately disrupts the spatial order.
From the outside—particularly at dusk—the building appears to open up: the lines conjure the illusion of two additional window fronts and a larger, imaginary interior space situated behind the 1950s-era façade—an optical illusion that intricately interweaves architecture and color.
From the inside, however, a completely different experience awaits. Each window presents its own unique color composition, framing new views of Marienplatz and the Town Hall while inviting the viewer to shift their distance and perspective. The colored, translucent stripes heighten the sensation of being *within* the space—rather than merely standing before it. It is an installation that oscillates between interior and exterior, between reality and illusion.